Passion Leidenschaft. Die Kunst der großen Gefühle

Intro

Passion Leidenschaft. Die Kunst der großen Gefühle 9. Oktober 2020 – 14. Februar 2021 LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster

Wenn die Passion fehlt, fehlt alles. Ohne Leidenschaft ist nichts zu erreichen.

Alberto Moravia (1907-1990)

Passion Leidenschaft – zwei Begriffe, die dasselbe meinen? Eine Passion zu haben, bedeutet heute die leidenschaftliche Hingabe für eine Person oder Sache. Passion bezeichnet aber auch die Leidensgeschichte von Jesus. Damit hängt auch das Wort Leidenschaft zusammen, das der Schriftsteller und Sprachreformer Philipp von Zesen erst im 17. Jahrhundert neu erfindet, weil es trotz der deutschen Lutherbibel bis dahin keine Übersetzung der Bezeichnung Passion gibt.

Jacopo da Montagnana, Beweinung Christi, um 1480 Tempera und Öl auf Leinwand, 148 × 109,5 cm, © Landesmuseum Hannover

In unserer Alltagssprache ist ein Zusammenhang mit dem Leiden heute kaum noch präsent. Leidenschaft bewerten die meisten Menschen positiv in einem Spannungsfeld zwischen Enthusiasmus und Liebe.

Ignaz Günther, Heilige Theresa von Avila mit Engel, 1771 Lindenholz, polychrom gefasst, 62,5 × 40 × 12 cm, © Bayerisches Nationalmuseum München / Krack, Bastian

Die Heilige Theresa wirkt völlig verzückt, während sie von Wolken getragen in den Himmel schwebt. Sie sieht verklärt nach oben – der Ausdruck ihrer göttlichen Liebe scheint ähnlich intensiv, wie …

Käthe Kollwitz, Liebesszene I, um 1909/10 Schwarze Kreide, 48,8 × 31,5 cm, © Käthe Kollwitz Museum Köln

… der lustvolle Augenblick dieses Liebespaares. Die Frau legt ebenso hingebungsvoll ihren Kopf in den Nacken. Zwei Arten von Liebe und dennoch wird die Leidenschaft mit vergleichbaren Mitteln dargestellt.

Die Heilige Theresa wirkt völlig verzückt, während sie von Wolken getragen in den Himmel schwebt. Sie sieht verklärt nach oben – der Ausdruck ihrer göttlichen Liebe scheint ähnlich intensiv, wie …

Mit dieser überlieferten Bildsprache spielt Robert Arnold (*1954): Er bezieht sich in seinem Video auf die Umschläge von Groschenromanen, durch die alte Klischees von unwiderstehlichen Macho-Männern und betörend verführerischen Frauen gefestigt werden.

Robert Arnold, The Morphology of Desire [Die Morphologie des Begehrens], 1998 Video, 6 Min., © Robert Arnold and LIMA Amsterdam

Was erzählt uns die abendländische Kunst über dieses spannungsgeladene Wechselverhältnis zwischen Körper und Seele, Gefühl und Verstand? Und mit welcher Bildsprache werden große Gefühle in der Kunst transportiert?

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